Business Compliance

Die Vermeidung von Korruption und wettbewerbswidrigen Verhaltensweisen ist in den letzten Jahren zu einer wesentlichen Managementaufgabe geworden. Der einem Unternehmen durch korrupte oder wettbewerbswidrige Verhaltensweisen einzelner Mitarbeitender entstehende Schaden kann mitunter dramatisch sein.
Auch die Bauwirtschaft ist gegen korruptes oder wettbewerbswidriges Verhalten Einzelner nicht gefeit. Komplexe Abrechnungsprozesse sowie die Notwendigkeit einer Vielzahl von Vertragsverhältnissen im Zuge eines Bauvorhabens erschweren in vielen Fällen die Aufklärung von regelwidrigen Verhaltensweisen.

Auch wenn STRABAG einen Großteil ihres Umsatzes in Ländern erwirtschaftet, in denen das Korruptionsrisiko gering ist – so etwa in Deutschland, Osterreich und Polen – ist sie aufgrund ihrer internationalen Ausrichtung auch in Ländern tätig, die z. B. nach dem Korruptionswahrnehmungsindex1 einem erhöhten Korruptionsrisiko unterliegen. In allen Regionen sind transparente Vorgehensweisen zur Risikominimierung gefordert, insbesondere in der Phase der Auftragsvergabe oder bei der Verhandlung mit Partnerfirmen und Subunternehmen.

STRABAG hat daher bereits im Jahr 2008 ein Compliance Management System (CMS) implementiert und seither kontinuierlich weiterentwickelt, das Gesetzesverstose und daraus resultierende materielle und immaterielle Schadenvermeiden und ihren guten Ruf als Geschäftspartnerin, Auftragnehmerin und Arbeitgeberin erhalten soll. Mit umfassenden Maßnahmen für Mitarbeitende und Führungskräfte fordern wir regelkonformes und ethisches Verhalten und stärken eine Unternehmenskultur, die auf Vertrauen und Partnerschaftlichkeit beruht.

Zuständigkeiten und Regelungen

Das STRABAG CMS wird als lebendes System gesehen – es unterliegt einer kontinuierlichen Verbesserung und Anpassung an sich ändernde Rahmenbedingungen. Insbesondere die Vermeidung von Korruptionstatbeständen, von Verstößen gegen wettbewerbsrechtliche Regelungen sowie jeglicher Art von Geldwäsche steht hier im Fokus. Das CMS besteht aus:

  • dem Code of Conduct,
  • dem Leitfaden Business Compliance,
  • dem Leitfaden Business Compliance für Geschäftspartnerinnen und Geschäftspartner sowie
  • der personellen Struktur des STRABAG Business Compliance-Systems.

Der Code of Conduct legt die ethischen Grundwerte des Konzerns fest und trägt zur Ausbildung eines gemeinsamen Wertesystems bei. Der Leitfaden Business Compliance für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Leitfaden Business Compliance für Geschäftspartnerinnen und Geschäftspartner präzisieren die einzuhaltenden Regeln zur Vermeidung von Korruption und Wettbewerbsverstößen. Potenzielle Compliance-Verstöße, wie z. B. Bestechung, Betrug oder Korruption, können über unser konzernweites Hinweisgebersystem an benannte Ansprechpersonen (Regionale Business Compliance-Beauftragte) gemeldet werden. Telefonisch oder per E-Mail können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch Subunternehmen oder andere Dritte – auf Wunsch anonym – Hinweise weitergeben. Die aktuelle Liste sämtlicher Ansprechpersonen für das Hinweisgebersystemfindet sich auf der Website von STRABAG unter www.strabag.com > Strategie > Strategischer Ansatz > Business Compliance. Wir fordern aktiv dazu auf, uns relevante Hinweise zu melden – so kann Fehlverhalten schnell erkannt, geahndet und Schaden vermieden werden. Bei Verstößen gegen die im Unternehmen geltenden Verhaltensrichtlinien bzw. gesetzliche Vorschriften werden disziplinarische und (arbeits-)rechtliche Maßnahmen ergriffen.

Der Konzern-Business Compliance-Koordinator als zentrale Ansprechperson in allen Angelegenheiten der Business Compliance berichtet direkt an das zuständige Mitglied des Konzernvorstands, den Vorstandsvorsitzenden. Der internationalen Konzernausrichtung Rechnung tragend, wird dieser von regionalen Business Compliance-Beauftragten unterstützt. Der Konzern-Business Compliance-Koordinator hält ständigen Kontakt zu den regionalen Business Compliance-Beauftragten.

Ziele und Indikatoren

Übergeordnetes Ziel des STRABAG-Compliance Management-Systems ist die vollständige Vermeidung von Compliance-widrigen Verhaltensweisen. Im Wissen um die Unmöglichkeit der vollständigen Erreichung dieses Ziels sowie im Bewusstsein der schwierigen Messbarkeit des Zielerreichungsgrads ist es erforderlich, für dieses übergeordnete Ziel unterstützende Ziele zu definieren. Die entsprechenden Indikatoren werden regelmäßig und über einen langfristigen Zeitraumerhoben, da die Effektivität von Maßnahmen zur Vermeidung von Compliance-Verstößen nur in einem längeren Betrachtungszeitraum aussagekräftig messbar ist.
  • Schulungsquoten zum 31.12.2018 (Durchdringungsgrad definierter Schulungen) Zielwert 100 %
    − E-Learning „Richtiges Verhalten im Geschäftsalltag“, Erstschulung: 87 %
    − E-Learning „Richtiges Verhalten im Geschäftsalltag“, Auffrischung: 91 %
    − Präsenzschulung „Vermeidung von Korruption und Wettbewerbsverstößen“, Erstschulung: 93 %
    − Präsenzschulung „Vermeidung von Korruption und Wettbewerbsverstößen“, Auffrischung: 95 %
    − Präsenzschulung „Kartellrecht-Risiken, Grundlagen und Verhaltensgrundsatze – Erstschulung“: 87 %
    − Präsenzschulung „Kartellrecht-Risiken, Grundlagen und Verhaltensgrundsatze – Auffrischung“: 84 %
Die Schulungsquote der E-Learning-Schulung war im Jahr 2018 leicht rückläufig. Ursachlich hierfür war eine Umstellung der E-Learning-Software, die mit einer Unterbrechung der automatisierten Einladungen zur Teilnahme an der E-Learning-Schulung verbunden war.
  • Anzahl der im Jahr 2018 geschulten Mitarbeitenden
    − E-Learning „Richtiges Verhalten im Geschäftsalltag“
Zielwert: 7.000 Personen/Jahr im dreijährigen Durchschnitt
  • Erstschulung: 1.321
  • Wiederholungsschulung: 1.054
  • Gesamt: 2.375
  • Anzahl der im Jahr 2018 geschulten Mitarbeitenden aus dem Management
    −Präsenzschulung „Vermeidung von Korruption und Wettbewerbsverstößen“
Zielwert: 400 Personen/Jahr im dreijährigen Durchschnitt
  • Erstschulung: 58
  • Auffrischung: 17
  • Gesamt: 75
Die im Verhältnis zum Jahr 2017 relativ geringe Zahl an Teilnehmenden an der Präsenzschulung ist darauf zurückzuführen, dass für viele Mitglieder des Managements die dreijährige Frist seit der letzten Teilnahme an der Schulung im Jahr 2017 abgelaufen war, was eine überdurchschnittlich hohe Teilnehmerzahl im Jahr2017 und damit einen relativ geringen Schulungsbedarf im Jahr 2018 zur Folge hatte.
− Präsenzschulung „Kartellrecht“ Zielwert: 400 Personen/Jahr im dreijährigen Durchschnitt
  • Erstschulung: 174
  • Auffrischung: 348
  • Gesamt: 522
  • Anzahl der Compliance-fördernden Maßnahmen im Jahr: 9
Details dazu finden Sie unter „Projekte und Initiativen“.
  • Anzahl der festgestellten Business Compliance-Verstöße im Jahr (Zuordnungsdatum = Datum der abschließenden Feststellung): 2

Projekte und Initiativen

Kontinuierlich schulen wir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rahmen von E-Learnings und Präsenzschulungen zur Bekämpfung von Korruption: Ein möglichst umfassendes Wissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über korrektes Verhalten im Geschäftsalltag einerseits, aber insbesondere auch über die negativen Konsequenzen von regelwidrigem Verhalten andererseits ist eine wesentliche Voraussetzung für die Erreichung des übergeordneten Ziels der Vermeidung von Compliance-Verstößen. Die Schulung aller relevanten Konzernmitarbeitenden (hierbei handeltes sich in der Regel um Angestellte) zu den Compliance-Grundsätzen ist daher ein logisches und notwendiges Ziel der Arbeit jeder Compliance-Organisation. Verpflichtende Schulungsmaßnahmen für alle Mitarbeitenden sowie vertiefte, ebenfalls verpflichtende Schulungen für das Konzernmanagement in regelmäßigen Abständen sollen die Sensibilität für das Thema Compliance erhöhen.

Kennzahlen wie Schulungsquoten sowie die Anzahl der geschulten Mitarbeitenden im Jahr unterstützen das Monitoring der Schulungsaktivitäten. Seit dem Jahr 2013 wird das E-Learning-Modul zum richtigen Verhalten im Geschäftsalltag in allen relevanten Konzernsprachen in allen Konzernländern durchgeführt. Zusätzlich zur Schulung „Vermeidung von Korruption und Wettbewerbsverstößen“ wurden beginnend mit dem Jahr 2015 spezielle Kartellrechtsschulungen für das Management eingeführt. Alle diese Präsenzschulungen zur Vermeidung von Korruption und Kartellverstößen werden durch externe Rechtsexpertinnen und Rechtsexperten oder durch Vortragende der konzerninternen Rechtsabteilung durchgeführt. Neue Managementmitglieder erhalten eintägige Erstschulungen, bestehende Mitglieder halbtägige Auffrischungsschulungen im Abstand von drei Jahren.

Die kontinuierliche Verbesserung des STRABAG CMS ist eine wesentliche Aufgabe der Business Compliance-Organisation. Dem wurde insbesondere durch den Compliance Readiness Check Rechnung getragen, der im Jahr 2017 initiiert und 2018 abgeschlossen wurde. Ziel dieser Initiative ist die Verbesserung des STRABAG CMS als Vorbereitung auf eine Zertifizierung nach internationalen Standards. Die Erarbeitung desentsprechenden Konzepts und der Geschäftsanweisungen wird eine der Hauptaufgaben der Business Compliance-Organisation im Jahr 2019sein. Die Bedeutung des Themas Business Compliance wurde durch folgende Compliance-fördernde Maßnahmen im Jahr 2018 unterstrichen:
  • Das zentrale Business Compliance-Teamwurde durch zwei weitere Junior Compliance Officers verstärkt.
  • Zwei Mitarbeitende des zentralen Business Compliance Teams absolvierten einen Lehrgang zum zertifizierten Compliance Officer.
  • Die vom Vorstand im Jahr 2017 genehmigte Umsetzung einer Online-Hinweisgeber-Plattform wurde abgeschlossen und die Plattform am 1.7.2018 in Betrieb genommen. Sie steht in 14 Konzernsprachen auf allen lokalen Websites von STRABAG zur Verfügung.
  • Unterstützt wurde die Inbetriebnahme der Online-Plattform durch eine Einschaltung im Konzern-Intranet von STRABAG.
  • Im Zuge der Implementierung der Online-Plattform wurden die lokalen Websites von STRABAG zum Thema Business Compliance vereinheitlicht und das Thema stärker in den Fokus gerückt.
  • Der im Jahr 2017 begonnene Compliance Readiness Check durch ein externes Beratungsunternehmen wurde im Jahr 2018 abgeschlossen.
  • Aufbauend auf den Ergebnissen des Compliance Readiness Checks wurde begonnen, das bestehende CMS von STRABAG in ein nach internationalen Standards zertifizierbares CMS weiterzuentwickeln (siehe oben).
  • Im Rahmen der jährlich zwei Mal stattfindenden Konzerntagungen wurde dem Thema Business Compliance erneut breiter Raum gewidmet und gegenüber dem STRABAG Topmanagement nachdrücklich auf die Bedeutung dieses Themas hingewiesen.
  • Ergänzend zu den verpflichtenden regelmäßigen Compliance-Schulungen wurden themenbezogene Präsenzschulungen für einzelne Organisationseinheiten veranstaltet.

1Transparency International, Corruption Perceptions Index 2016, https://www.transparency.org/news/feature/corruption_perceptions_
index_2016#table (Stand 30.1.2018)



Auf der Website veröffentlicht am 28.07.2015 – Zuletzt publiziert am 11.06.2019 17:43:18
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