Digitalisierung

Die Digitalisierung ist aktuell eine der wichtigsten Fragen im Themenkomplex „Innovation“ bei STRABAG. Sie ist ein Megatrend, der auch die traditionellen Bauprozesse verändern wird, indem sie eine schnelle und weltweite Vernetzung von Dingen, Maschinen („Internet der Dinge“) und Menschen gestattet.
Datenerfassende und -sendende Komponenten können nahezu überall eingebaut werden, etwa in Baustoffen, Geräten und Bauteilen, um während der Erstellung von Bauwerken Informationen bereitzustellen oder um während des Betriebs Zustandsinformationen zu versenden. Dies ermöglicht es, nahezu beliebig an jedem Ort – ob im Büro oder auf der Baustelle – Abläufe zu überwachen und zu optimieren. Mithilfe modellbasierter Visualisierungen, die Informationen hochverdichtet und leicht nachvollziehbar darstellen, wird eine Zusammenarbeit zwischen zahlreichen Personen in Echtzeit über beliebige Standorte hinweg möglich.

Selbstlernende Algorithmen werden die Entscheidungsprozesse bei komplexer werdenden Vorgängen unterstützen, und zwar nicht nur jene des Managements, sondern auch jene von Robotern. Roboter können inzwischen mauern, beliebige Freiformen schweißen und mit zementösen Pasten Strukturen, konstruktive Elemente und Bauteile „drucken“. Den Menschen allerdings werden sie in absehbarer Zeit nicht ersetzen; auf unseren Baustellen werden also auch künftig Menschen ihre Fähigkeiten einbringen. Gleichzeitig sehen wir die aus der Digitalisierung erwachsende Chance, standardisierte Abläufe Maschinen zu überlassen, sodass dem Menschen mehr Raum für die kreative Lösung von Problemen bleibt.

Für STRABAG bedeutet der Trend zur Digitalisierung, dass alle wesentlichen Geschäftsprozesse – Planung, Ausführung, Produktion, Betrieb und Administration – an diese neue Art der Informationsverarbeitung schrittweise angepasst werden müssen. Wir wollen das digitale Planen und Bauen einführen und den digitalen Zwilling in allen Bauphasen nutzen, weil wir wettbewerbs- und damit zukunftsfähig sowie als Arbeitgeberin und Baupartnerin attraktiv bleiben wollen und weil wir durch die Vernetzung aller Baubeteiligten eine Steigerung der Qualität und Effizienz sowie eine bessere Planbarkeit von Zeiten und Kosten erwarten. Das heißt, dass wir uns auch mit den Prozessen und Schnittstellen unserer Lieferunternehmen befassen müssen. Unserem Konzernwert Partnerschaftlichkeit folgend, haben wir deshalb damit begonnen, auch unseren externen Partnerunternehmen BIM 5D®- Schulungen anzubieten, damit wir gemeinsam die Standards der Zukunft erarbeiten können.

Zuständigkeiten und Regelungen

Zur Bearbeitung und zur kontinuierlichen Verfolgung der Digitalisierungsprozesse wurde als Ausschuss des Vorstands das regelmäßig tagende Steering Committee Digitalisierung (SCD) eingerichtet, das aus den STRABAG SE-Vorstandsmitgliedern Christian Harder, Peter Krammer und Siegfried Wanker besteht. Das SCD wird beraten vom Team Digitalisierung STRABAG (TDS) mit je einem Vertreter aus der Operative, der Zentralen Technik sowie dem BRVZ-IT, die im Zusammenhang mit der Digitalisierung unmittelbare Verantwortung tragen. Die Operative wird dabei vertreten von einem „Head of Digitalisation“ – eine Funktion, die im Jahr 2017 installiert wurde.

Weiters wurde mittels der neuen Konzernrichtlinie „GPM-Organisation“ (Geschäftsprozessmanagement) das Management jener Geschäftsprozesse geregelt, die einer IT-Unterstützung bedürfen.

ZIELE UND INDIKATOREN

Zur Bearbeitung und zur kontinuierlichen Verfolgung der Digitalisierungsprozesse ist als Ausschuss des Vorstands das regelmäßig tagende Steering Committee Digitalisierung (SCD) eingerichtet. Das SCD wird beraten vom Team Digitalisierung STRABAG (TDS) mit je einem Vertreter aus der Operative, der Zentralen Technik sowie dem BRVZ-IT, die im Zusammenhang mit der Digitalisierung unmittelbare Verantwortung tragen. Die Operative wird dabei vertreten von einem „Head of Digitalisation“ – eine Funktion, die im Jahr 2017 installiert wurde.

Weiters wird mittels der Konzernrichtlinie GPM-Organisation (Geschäftsprozessmanagement) das Management jener Geschäftsprozesse geregelt, die einer IT-Unterstützung bedürfen. In den jeweiligen Unternehmensbereichen wurden dezentrale GPM-Beauftragte benannt, die als Sprecherinnen und Sprecher der Unternehmensbereiche fungieren. Das im Rahmen der GPMOrganisation installierte GPM-Evaluierungsgremium, das aus Vertretern der Operative sowie der Zentralbereiche BRVZ-IT und Zentrale Technik besteht, ist für die Evaluierung der eingereichten Projektideen zuständig und koordiniert die Aufbereitung von Entscheidungsgrundlagen für das SCD gemeinsam mit dem TDS.

Ziele und Indikatoren

STRABAG treibt die digitale Transformation der Baustellenprozesse aktiv voran und arbeitet an neuen Geschäftsmodellen, die sich daraus ergeben. Sie ist überzeugt, dass dabei die Erwartungen der Auftraggeberseite und die effizientere Gestaltung bestehender Prozesse im Fokus stehen müssen.

Im Vordergrund der Prozessoptimierung steht eine höhere Durchdringung von digitalen Methoden, wie z. B. BIM 5D® (Building Information Modelling). Ein weiterer Fokus liegt auf der Weiterentwicklung effizienter und kollaborativer Arbeitsweisen mit der Auftraggeberseite und mit Partnerunternehmen und der Unterstützung durch geeignete Werkzeuge. Dazu setzen wir auf eine kontinuierliche Qualifizierung bestehender Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie eine Verstärkung unserer Teams mit entsprechenden Spezialistinnen und Spezialisten. Die folgenden Indikatoren beziehen sich auf die digitale Durchdringung auf der Baustelle sowie am Arbeitsplatz – denn die digitale Transformation beeinflusst nicht nur das Bauobjekt sowie dessen Beteiligte, sondern verändert auch die Prozesse innerhalb der Konzernorganisation:

  • Erfassung und Auswertung von Maschinendaten ab dem Jahr 2019: An die Qualitätsund Leistungsdokumentation sowie den schonenden Umgang mit Umweltressourcen werden immer höhere Anforderungen gestellt. Daher wollen wir ab 2019 verstärkt Telematiksysteme bei Schlüsselgeräten einsetzen, deren Bewegungs- und Einsatzdaten erfassen und auswerten – Ende 2018 waren 26 % der Schlüsselgeräte mit Telematiksystemen ausgestattet.
  • BIM 5D®-Arbeitsplätze: STRABAG baut Zug um Zug ihre CAD-Arbeitsplätze zur Nutzung der BIM 5D®-Technologie für Hoch- und Ingenieurbau, Verkehrswegebau und Infrastrukturprojekte aus. Die Anzahl der BIM-fähigen Arbeitsplätze wächst dadurch stetig und lag 2018 konzernweit bei 1.350. Das entspricht gegenüber dem Vorjahr einer dynamischen Steigerung um 38 %. Ziel ist ein erneut zweistelliges Wachstum im Jahr 2019.
  • Digital Workplace: STRABAG investiert in den Digital Workplace und treibt die digitale Transformation mit Anwendungen in der Cloud voran. Die vollständige Durchdringung einer Organisation durch Arbeitsmittel auf dem aktuellen technischen Stand ist die Grundvoraussetzung für eine flexible und effiziente Zusammenarbeit. Ein erster Schritt ist die STRABAG-weite Einführung von Office 365. Die Umstellungsquote auf Office365 lag Ende 2018 bei 68 % (2017: 17 %). Es wird für 2019 ein Zielwert von 88 % anvisiert.
  • Mobile Endgeräte für eine flexiblere Arbeitsgestaltung: Durch Digitalisierung verändert sich der Arbeitsalltag – etwa in Richtung mobiler Arbeit. Dank der Bereitstellung mobiler Endgeräte wie Tablets können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von der flexibleren Arbeitsgestaltung, die die Digitalisierung ermöglicht, profitieren. Die Quote bei Tablets beläuft sich derzeit auf 10,8 % (2017: 5,4 %).

Projekte und Initiativen

Um die Baustellen bei der digitalen Transformation zu unterstützen, stehen ihnen bei STRABAG Spezialistinnen und Spezialisten zur Seite. Sie beraten die Baustellenteams vor Ort in deren Tagesgeschäft und nehmen die Anforderungen aus der Praxis auf. Dies soll den Verantwortlichen auf den Baustellen die Auswahl unter den zahlreichen vom Konzern angebotenen digitalen Werkzeuge – wie Software, Plattformen und Apps – erleichtern und so die Effizienz steigern. Der Schwerpunkt liegt derzeit auf den operativen Einheiten des Hoch- und Ingenieurbaus.

Die Weiterentwicklung von BIM 5D® wurde auch im Geschäftsjahr 2018 intensiv betrieben. Zum einen gewinnen wir an Erfahrung, indem wir unser Know-how zum digitalen Bauen bei konkreten Projekten einsetzen, etwa beim Bau eines Bürogebäudes und einer Produktionshalle für Siemens im schweizerischen Zug. Zum anderen beteiligen wir uns an Forschungsprojekten, um BIM 5D® in möglichst allen relevanten Bauphasen einsetzen zu können. Im Projekt „eEmbedded“ geht es etwa darum, BIM-Methoden bereits in der Entwurfsphase zu nutzen. Im Vordergrund stehen die energetische Betrachtung und die Einbettung des geplanten Gebäudes in die Umgebung.
2018 wurde auch das diesbezügliche Schulungsangebot erneut ausgebaut. Neben den bewährten BIM 5D®-Schulungen an unseren Konzernstandorten Stuttgart und Wien haben im Herbst die ersten Teilnehmerinnen und Teilnehmer die BIM-Management-Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. In seiner Form einmalig, wird das konzerninterne Programm 2019 nochmals in Umfang und Tiefe erweitert, um zukünftige STRABAG BIM-Managerinnen und -Manager noch besser auf ihre Rolle vorzubereiten.

Im Verkehrswegebau beschäftigen wir uns u. a. mit dem Einsatz von Sensorik, um das Tragverhalten von Asphaltstraßen zu erfassen und damit bessere Prognosen über die Nutzungsdauer erstellen zu können. Derzeit sind die Sensoren im Auftrag des deutschen Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur auf der BAB A2 in Deutschland im Einsatz. Zudem wurde 2018 das Konzernprojekt „BIM Stufenplan 2020 VWB“ aufgesetzt, das u. a. auf Basis des Stufenplans 2020 des deutschen Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur in zahlreichen Pilotprojekten BIM 5D®-Anwendungsfälle testet.

Auf dem Weg zu mehr Effizienz ist die Digitalisierung der Baustellen unabdingbar, die großen Baustellen von morgen sind automatisiert. Längst sind Drohnen auf den Baustellen angekommen, und die Vernetzung von Geräten und Bauteilen über Smart Sensors oder intelligente Baumaschinen sind ebenfalls keine allzu weit entfernten Zukunftsthemen mehr. Das Konzernprojekt „Vernetzte Baustelle“ ist hier ein wesentliches Leuchtturmprojekt von STRABAG im Verkehrswegebau. Schwerpunktinhalte sind die konkreten anwendungsbezogenen Lösungen, die das digitale und möglichst medienbruchfreie Zusammenwirken der am Bau beteiligten Akteurinnen und Akteure effizient unterstützen. Dieses Projekt wurde Ende 2018 abgeschlossen. Um weiterhin das Ziel der Digitalisierung der Baustelle weiterzuentwickeln, wird das Projekt unter dem Titel „Vernetzte Baustelle 2.0“ im Jahr 2019 vorangetrieben.

Für STRABAG als internationalem Konzern für Baudienstleistungen ist die enge Zusammenarbeit mit Lieferanten und Nachunternehmen von entscheidender Bedeutung. Über das Konzernprojekt SPS (STRABAG Procurement Solution) sollen die Lieferantenprozesse im Einkauf über Plattform-Funktionalitäten rein digital abgebildet werden – mit dem Ziel einer Vereinfachung für alle am Einkauf Beteiligten sowie einer noch engeren Verzahnung mit den Lieferanten und Nachunternehmen. Hierzu entstand das Konzept einer modular aufgebauten Einkaufslösung und deren schrittweiser Einführung.

Mit der Einheit „Digitale Objekterfassung und Drohnen“ hat STRABAG 2018 die Organisation für ein neues Geschäftsfeld geschaffen. Es werden erstklassige Dienstleistungen mit innovativen Messsystemen zur Objekterfassung angeboten. Die gesamte Wertschöpfungskette – von der Datenaufnahme bis hin zur 3D-Datenauswertung – wird digital abgebildet.



Auf der Website veröffentlicht am 04.06.2018 – Zuletzt publiziert am 11.06.2019 12:16:43
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